FEE  -  most underrated Neue Deutsche Welle Band 

 FEE Hard-Rock aus Braunschweig
Die Neue Deutsche Welle 

– das waren nicht nur Major Tom, völlig losgelöst, 99 Nena-Luftballons und Fräulein Menke. Es wurde nicht nur das Bruttosozialprodukt gesteigert, sondern hier und da auch richtig gute Rockmusik gemacht. 

Die Braunschweiger Band FEE fiel Anfang der 80er Jahre aus dem NDW-Rahmen. Kein synthetisches Kunstprodukt sondern eine gestandene Rockband, die Gas geben konnte. Die Musik war durchweg selbst gemacht. Einzige mir bekannte Ausnahme: „Ein Mann, der nicht warten kann“ ist eine eigenständige Interpretation von Winwoods „I´m a Man“. Die deutschen Texte wollten nicht nur funny-schräg sein, sondern waren meist politisch-kritisch. 

Als 1981 ihre erste LP herauskam, hatten die Musiker von FEE schon 10 Jahre Banderfahrung. Seit 1970 hatte die Vorläufergruppe „Holde Fee“ bestanden. 1976 entstand die LP "Malaga" mit englischen und deutschen Texten in Eigenproduktion mit Musik zwischen Funk, Rock und Jazz. 1978 entstand auch das Album "Paradise Lost" und wurde komplett fertiggestellt, aber nicht mehr veröffentlicht. Die Band stand vor dem Aus und wollte aufhören, als 1979 ein gemeinsam erlebtes AC/DC-Konzert zum Weitermachen motivierte. "Das Konzert hat uns alle komplett umgehauen und von da an hatten wir unseren eigenen Sound - und niemand ahnte, das AC/DC dahinter steckte", so Thomas Ruhstorfer, Sänger und Kopf der Band.

Von nun an nannten sie sich FEE und spielten Hard Rock. Ein Konzert wurde vom NDR mitgeschnitten und gesendet. Gehört wurde es auch von Frank Mille, dem späten Ex-Rattle, der danach FEE unter seine Fittiche nahm und alle vier LPs der Band in seinem Studio produzierte. Zunächst arbeitete man mit englischen Texten, doch die aufkommende deutsche Welle motivierte Band und Produzenten, das Album schließlich mit deutschen Texten einzuspielen. So entstand 1981 der viel beachtete FEE-Erstling Notaufnahme. Weit über 100.000 Exemplare wurden verkauft.

Die zweite LP Rezeptfrei (1982) enthielt sowas wie den ersten FEE-Hit, obwohl die Radiostationen die „Schweine im Weltraum“ wegen eines Wortes mit „f....“ boykottierten. Von da an spielte FEE jedes Festival, die Platten liefen auf jeder Party. 

Das für mich stärkste FEE-Album erschien 1983: SchizoFEEnie. Abwechslungsreicher Hard-Rock mit klugen Texten.

Als 1985 Große Taten - Krumme Dinger herauskam, war das Interesse an NDW-angehauchter Musik bereits abgeebbt. Weitere Produktionen wurden auf Eis gelegt. Erst 1987 erschien wieder eine Single: „Du mußt zur Bundeswehr“ als deutsche Version des Status Quo - Klassikers „In the army now“. Im selben Jahr lief der Vertrag mit TELDEC aus, FEE löst sich auf. 

Doch nie so richtig. Man musste halt irgendwie arbeiten, Geld verdienen, Familien gründen... In den 90er-Jahren kam die Band in Originalbesetzung zu einigen Revival-Konzerten zusammen, eine Best of - CD und ein Live-Video wurden produziert. 1995 wurden alle vier Alben bei Remember Records wieder veröffentlicht. Zum 25jährigen Bühnenjubiläum gaben sie 2004 im Innenhof des Schlosses Salzgitter-Salder ein Jubiläumskonzert. 

Die vier FEE-Alben:

Notaufnahme, 1981

Amerika
Mein Guru
Kauf mir lieber ´ne blonde Gummipuppe
Kein Verkehr
Mach dich lieber anders tot
Eines Tages auf dem elektrischen Stuhl
Du machst mich krank
Der Inder
Du bist mein Typ
Overdrive
Ich muß hier ´raus
Coole Beziehung


Rezeptfrei, 1982

Schweine im Weltraum
Mach Kohle. Alter
Ab die Post, Nahost
Spielzeug
Wenn du keinen Krach machst (dann wirst du nicht gehört)
Kein Reiz
Kälte in der Nacht
Kater – Katze
Wunderschön
Frankfurt – Frankfurt
Plastik


SchizoFEEnie, 1983

Doswidanja
Ein Mann, der nicht warten kann (I´m a man)
Die gelbe Gefahr
Highnoon im Justizpalast
Du kannst mir nicht imponier´n
Karneval
118
Erzähl mir nichts von Liebe
Ein Feuerwerk für Marianne
Die neue deutsche Küche (Schweinebauch und Kohl)
Hypochonder


Große Taten - Krumme Dinger, 1985

Cia
Wahnsinn
Harte Männer weinen nicht
Looping
Zigarren im Zeppelin
Nancy & Ronald (Laramie)
Sorglos glücklich
C´est la vie im Jahre 2010

Das Zwischennetz weiß auch, was aus den Bandmitgliedern geworden ist:

Andreas Becker: Musiker mit/für Peter Maffay, Heinz-Rudolf Kunze, Frank Fahrian
Lothar Brandes: Musiker und Musikpädagoge, Inhaber der Produktionsfirma "Modern Toys"
Reinhard Lewitzki: leitete nach FEE die Popularmusik-Abteilung der Musikschule Salzgitter und organisiert das internationale Drummer-Meeting in Salzgitter
Gerhard Reulecke: Ingenieur in der Autobranche, seinen Bass hat er eingemottet – bis auf die gelegentlichen FEE-Konzerte
Thomas Ruhstorfer: Landesmusikrat Niedersachsen, entdeckte u.a. die Guano Apes


"Ich drehe einfach auf - immer weiter auf..." (FEE, Overdrive) 

WW

Infos:
wewewe.ichwillspass.de
wewewe.popmeetsclassic-braunschweig.de
wewewe.moderntoys.de